Social Media gilt für viele als der einfachste Einstieg ins Marketing. Schnell gestartet, kostenlos, scheinbar unkompliziert. In der Praxis fühlt es sich oft anders an: viel Energie, wenig Planbarkeit und das ständige Gefühl, eigentlich noch mehr machen zu müssen. Was viele dabei suchen, ist nicht mehr Reichweite. Sondern einen Weg, gefunden zu werden, ohne ständig präsent zu sein. Genau an diesem Punkt taucht die Frage auf, ob es nicht auch anders geht – jenseits von Instagram und Co.
Sichtbarkeit ist nicht gleich Social Media
Wenn man selbstständig ist, fühlt es sich manchmal so an, als wäre Social Media gleichbedeutend mit Marketing. Also: „Wenn ich nicht poste, sieht mich niemand.“ Und wenn mich niemand sieht, kommen auch keine Anfragen. Fertig.
Das Problem ist nur: Social Media ist ein Kanal. Mehr nicht. Und es ist auch nicht der einzige Weg, wie Menschen auf dich aufmerksam werden können. Viele finden Dienstleister:innen über ganz andere Wege: über Google, Empfehlungen, Blogartikel, Newsletter oder Kooperationen.
Was dabei oft durcheinandergerät: Sichtbarkeit heißt nicht automatisch „viele Leute sehen mich“. Sichtbarkeit heißt erstmal ganz nüchtern: Die richtigen Menschen können mich finden, wenn sie mich brauchen. Und sie können sich ein Bild machen, ob ich zu ihnen passe.
Social Media kann dabei helfen – muss es aber nicht. Und wenn es dich stresst, dich auslaugt oder du das Gefühl hast, du spielst da ein Spiel mit Regeln, die du eigentlich nicht magst, dann ist es völlig legitim, nach Alternativen zu Instagram und Co. zu schauen.
Warum sich viele Selbständige zu Beginn für Social Media entscheiden
Wenn man sich frisch selbstständig macht, landet man oft ziemlich schnell bei Social Media – vor allem bei Instagram. Das hat einige sehr nachvollziehbare Gründe.
Ein Account ist schnell erstellt, kostet erstmal nichts und die Einstiegshürden sind niedrig. Man kann sofort loslegen, ohne sich lange mit Technik, Seitenstruktur oder Texten beschäftigen zu müssen. Gerade am Anfang fühlt sich das nach dem einfachsten Weg an.
Dazu kommt, dass Social Media in vielen Marketinggesprächen als eine Art Standardlösung gilt. Sichtbarkeit wird oft automatisch mit Posten gleichgesetzt. Wer neu ist, bekommt schnell den Eindruck, dass Instagram heute einfach dazugehört – unabhängig davon, ob es wirklich zum eigenen Arbeitsstil passt.
Auch Vorbilder spielen eine große Rolle. Man sieht andere Selbständige, die dort präsent sind, Inhalte teilen und scheinbar mühelos Reichweite aufbauen. Das macht Social Media greifbar. Andere Wege, wie etwa Bloggen oder E-Mail-Marketing, wirken im Vergleich abstrakter, weil man ihre Wirkung nicht so unmittelbar sieht.
Nicht zuletzt ersetzt Social Media für viele zumindest gefühlt die eigene Website. Profil, Beiträge und Highlights wirken wie eine kompakte Visitenkarte. Gerade, wenn man selbst noch unsicher ist, wie das eigene Angebot eigentlich aussehen soll, erscheint das erstmal ausreichend.
All das macht Social Media zu einem naheliegenden Startpunkt. Das Problem entsteht meist nicht am Anfang – sondern dann, wenn man merkt, dass der Aufwand hoch ist, die Ergebnisse schwanken und sich das Ganze auf Dauer nicht so anfühlt, wie man Marketing eigentlich betreiben möchte.
Was es braucht, um ohne Social Media sichtbar zu werden
Die ehrliche Version ist: Ohne Social Media geht’s – aber anders, als viele es sich am Anfang wünschen.
Denn Social Media gibt dir (manchmal) schnelle Rückmeldung: ein paar Likes, ein paar neue Follower, hier und da eine Reaktion. Das kann sich wie „Es passiert was“ anfühlen. Marketing ohne Social Media ist oft weniger sichtbar im Alltag. Es ist mehr Aufbauarbeit. Und es ist eher etwas, das sich mit der Zeit trägt.
Was dir dabei hilft, sind vor allem drei Dinge:
- Ein fester Ort, zu dem du Menschen führen kannst.
Also nicht nur „ich existiere“, sondern: Hier steht, was ich anbiete und wie man mit mir arbeiten kann. (Dazu gleich mehr bei der Website.) - Ein paar Kanäle, die zu dir passen – und die du länger als zwei Wochen durchhältst.
Das kann Schreiben sein (Blog, Newsletter), Sprechen (Podcast), visuelle Inhalte (z. B. Pinterest als Such-/Entdeckungsplattform) oder auch Kooperationen und Gastformate. Hauptsache: es passt zu dir und deinem Alltag. - Geduld und Wiederholung.
Nicht im Sinne von „Du musst ständig produzieren“, sondern eher: Marketing ist selten ein einmaliges Projekt. Menschen brauchen mehrere Berührungspunkte, bis sie sich melden. Das ist normal – und hat nichts damit zu tun, dass du „nicht gut genug sichtbar“ bist.
Die eigene Website als Basis – deine digitale Visitenkarte
Wenn Social Media nicht dein Hauptkanal sein soll, dann würde ich immer dafür sorgen, dass es zumindest eine solide Basis gibt: eine Website.
Nicht, weil sie riesig sein muss. Und auch nicht, weil du erst dann „professionell“ bist. Sondern weil es wahnsinnig praktisch ist, einen Ort zu haben, der dir gehört und zu dem du in Gesprächen, in E-Mails oder bei Empfehlungen verlinken kannst.
Auf deiner Website kannst du in Ruhe erklären was du machst, für wen dein Angebot gedacht ist, wie eine Zusammenarbeit abläuft und wie man dich erreicht.
Und ganz wichtig: Eine Website ist nicht in Stein gemeißelt und muss am Anfang auch nicht „fertig“ sein. Viele starten mit einer kleinen Version und bauen nach und nach aus. Genauso habe ich das auch gemacht.
Wenn du gerade erst loslegst, reicht oft wirklich eine schlanke Grundausstattung:
- Startseite (Worum geht’s bei dir?)
- Angebot/Leistungen (Wie unterstützt du konkret?)
- Über mich (Warum du, warum so?)
- Kontakt (so einfach wie möglich)
Und wenn du sowieso bloggen möchtest, ist das natürlich ein super Ort, um deine Inhalte zu sammeln. Auch wenn SEO später kommt: Blogartikel sind trotzdem hilfreich, weil sie zeigen, wie du denkst und arbeitest – und weil Menschen bei dir „andocken“ können, ohne dass du dich ständig irgendwo zeigen musst.
Mögliche Wege zu mehr Sichtbarkeit ohne Social Media
Wenn man sich bewusst gegen Social Media entscheidet oder es zumindest nicht in den Mittelpunkt stellen möchte, entsteht schnell die Frage, wie Marketing dann überhaupt aussehen kann. Die Antwort darauf ist selten eindeutig.
Es gibt nicht den einen richtigen Weg, der für alle funktioniert. Sichtbarkeit entsteht meist aus einer Kombination verschiedener Dinge, die sich gegenseitig ergänzen und mit der Zeit entwickeln. Was gut passt, hängt stark davon ab, wie du arbeitest, wie viel Zeit und Energie du investieren möchtest und was sich für dich stimmig anfühlt.
Die folgenden Ansätze sind deshalb keine Checkliste. Es sind Möglichkeiten, die sich in der Praxis bewährt haben und die auch ohne Social Media funktionieren können – vor allem dann, wenn man sie nicht isoliert betrachtet, sondern als Teile eines größeren Ganzen.
#1: Wie ein Blog dir dabei hilft, gefunden zu werden
Wenn Social Media nicht der zentrale Kanal sein soll, stellt sich früher oder später die Frage, wie Menschen dann überhaupt auf dich stoßen sollen. Eine Möglichkeit dafür ist ein Blog.
Ein Blog ist kein schneller Weg zu Reichweite. Und er ersetzt auch nicht das Gefühl, „sichtbar zu sein“, das durch Likes oder Reaktionen entsteht. Er funktioniert anders. Vor allem langfristiger.
Blogartikel werden in der Regel nicht zufällig gelesen. Menschen landen dort, weil sie nach etwas suchen oder weil sie über eine Empfehlung auf einen konkreten Inhalt gestoßen sind. Das heißt: Sie bringen meist schon ein Interesse oder ein Problem mit, das sie lösen wollen.
Genau darin liegt ein großer Unterschied zu Social Media. Während dort oft Aufmerksamkeit erzeugt werden muss, bevor überhaupt Interesse entsteht, setzt ein Blog meist später an. Er greift Fragen auf, die bereits da sind, und bietet Raum, sie ausführlicher zu beantworten.
Ein weiterer Punkt: In einem Blog bist du nicht an Formate oder Zeichenbegrenzungen gebunden. Du kannst erklären, einordnen, Zusammenhänge herstellen. Gerade bei Dienstleistungen, die erklärungsbedürftig sind oder bei denen Vertrauen eine Rolle spielt, kann das hilfreich sein.
Natürlich bedeutet das nicht, dass ein Blog sofort Anfragen bringt. Oft passiert lange Zeit wenig Sichtbares. Artikel werden geschrieben, veröffentlicht und wirken erstmal unspektakulär. Viele merken erst später, dass Inhalte gefunden, weitergeleitet oder erneut gelesen werden – manchmal Wochen oder Monate nach der Veröffentlichung.
Für viele Soloselbständige ist genau das aber auch eine Entlastung. Statt ständig neue Inhalte produzieren zu müssen, entsteht nach und nach etwas, das bleibt. Texte, die nicht nach ein paar Stunden wieder verschwunden sind und die zeigen, wie du denkst, arbeitest und mit bestimmten Themen umgehst.
Ein Blog muss dafür nicht perfekt geplant sein. Es reicht oft, mit Themen zu starten, die im Arbeitsalltag ohnehin auftauchen. Fragen, die gestellt werden. Dinge, die du erklärst. Oder Gedanken, über die du selbst immer wieder stolperst.
So wird der Blog weniger zu einer klassischen Marketingmaßnahme und mehr zu einem Ort, an dem sich dein Wissen sammelt – und mit der Zeit für dich mitarbeitet.
#2: Warum ein Newsletter mehr ist als nur „nice to have“
Ein Newsletter ist nicht einfach ein weiterer Kanal neben Blog oder Social Media. Er erfüllt eine andere Funktion.
Während Blogartikel oft gefunden werden, wenn jemand gezielt nach Informationen sucht, ermöglicht ein Newsletter, den Kontakt zu halten. Menschen melden sich bewusst an, weil sie mehr von dir lesen möchten oder sich für dein Thema interessieren. Damit verschiebt sich die Ausgangslage: Du wartest nicht darauf, gefunden zu werden, sondern kannst selbst entscheiden, wann du dich meldest.
Das macht einen Newsletter zu einem wichtigen Bestandteil von Pull-Marketing. Statt ständig Aufmerksamkeit zu erzeugen, begleitest du Menschen über einen längeren Zeitraum. Sie lesen mit, lernen dich kennen und bekommen ein Gefühl dafür, wie du arbeitest und denkst. Wenn dann ein konkreter Bedarf entsteht, bist du präsent.
Genau hier liegt auch der Zusammenhang zu deinen Angeboten. Ein Newsletter ist kein reiner Informationskanal. Er ist ein Ort, an dem du auf deine Leistungen hinweisen kannst – ruhig, wiederholend und ohne Druck. Nicht jede Mail muss verkaufen. Aber sie darf zeigen, womit du arbeitest, für wen deine Angebote gedacht sind und wie eine Zusammenarbeit aussehen kann.
Gerade ohne Social Media ist das ein großer Vorteil. Du bist nicht darauf angewiesen, dass ein Beitrag ausgespielt wird oder gerade „performt“. Du erreichst Menschen direkt. Und du kannst Themen vertiefen, auf neue Inhalte verweisen oder Angebote vorstellen, ohne jedes Mal von vorne anfangen zu müssen.
Natürlich baut sich auch ein Newsletter nicht über Nacht auf. Aber er wächst mit der Zeit mit deinem Business mit. Viele unterschätzen, wie wertvoll schon eine kleine, interessierte Liste sein kann – gerade dann, wenn sie aus Menschen besteht, die sich bewusst für dich entschieden haben.
#3: Persönliche Sichtbarkeit: Netzwerken, Empfehlungen und Kooperationen
Neben eigenen Inhalten und einem Newsletter gibt es noch einen weiteren Weg, der gerade für Soloselbständige oft unterschätzt wird: persönliche Sichtbarkeit über Kontakte, Netzwerke und Empfehlungen.
Viele denken bei Marketing zuerst an Kanäle und Reichweite. Dabei entstehen gerade im Dienstleistungsbereich viele Anfragen über Gespräche. Über Menschen, die sich austauschen, voneinander erzählen oder jemanden weiterempfehlen, weil es fachlich und menschlich gepasst hat.
Das hat wenig mit „Netzwerken um jeden Preis“ zu tun. Es geht nicht darum, möglichst viele Kontakte zu sammeln oder sich permanent zu präsentieren. Sondern darum, in passenden Kontexten sichtbar zu sein und Beziehungen aufzubauen, die sich natürlich entwickeln dürfen.
Das können ganz unterschiedliche Situationen sein:
- Gespräche in bestehenden Netzwerken
- Kooperationen mit anderen Selbständigen
- Gastbeiträge, Interviews oder gemeinsame Formate
- Empfehlungen von Kund:innen oder Kolleg:innen
Gerade ohne Social Media ist dieser Weg oft sehr wirkungsvoll, weil er auf Vertrauen basiert. Menschen empfehlen nicht, weil jemand laut ist oder viel postet, sondern weil sie wissen, wofür jemand steht und wie er oder sie arbeitet.
Ein Vorteil dieser Art von Sichtbarkeit ist, dass sie oft weniger Energie kostet als dauerhafte Content-Produktion. Sie lässt sich gut in den Arbeitsalltag integrieren und wächst mit der Zeit. Je klarer dein Angebot ist und je öfter du darüber sprichst, desto leichter fällt es anderen, dich weiterzuempfehlen.
Auch hier gilt: Das ist kein schneller Hebel. Beziehungen brauchen Zeit. Aber sie sind häufig stabiler als kurzfristige Reichweite. Und gerade für Soloselbständige können ein paar gut passende Kontakte wertvoller sein als eine große, anonyme Sichtbarkeit.
Fazit: Marketing ohne Social Media? Geht!
Ohne Social Media sichtbar zu werden ist kein besonderer Ansatz. Es ist schlicht eine andere Herangehensweise.
Statt regelmäßig zu posten, setzt du auf Dinge, die bleiben: eine Website, Inhalte, einen Newsletter und persönliche Kontakte. Das braucht Zeit und funktioniert nicht von heute auf morgen. Dafür verschwindet es nicht nach ein paar Stunden wieder.
Für viele Soloselbständige ist genau das hilfreich. Weil nicht alles davon abhängt, ob man gerade aktiv ist oder nicht. Und weil Anfragen auch dann entstehen können, wenn man nicht ständig etwas veröffentlicht.
Social Media kann dabei ein Kanal sein. Es muss aber nicht die Grundlage sein.

