Marketing-Irrtümer

Marketing-Irrtümer, die dich unbemerkt ausbremsen – ein Perspektivwechsel für Soloselbständige

Viele erwarten vom Marketing, dass es nach einer kurzen Anlaufphase zum Selbstläufer wird. Dass man regelmäßig etwas macht – und dann auch merkt, dass es sich auszahlt.

Die Realität sieht oft anders aus. Marketing kostet Zeit und Aufmerksamkeit – und fühlt sich trotzdem selten so an, als wäre es wirklich „fertig“.

Was, wenn das Problem gar nicht das ist, was du tust?
Sondern das, was du stillschweigend davon erwartest?

In diesem Artikel geht es um typische Marketing-Irrtümer, die genau daraus entstehen – und um einen Perspektivwechsel, der hilft, Marketing realistischer einzuordnen.

Vielleicht kennst du das: Du machst Marketing nicht erst seit gestern. Du hast schon Inhalte veröffentlicht, du hast dir Gedanken gemacht, du hast Dinge ausprobiert. Blog, Newsletter, vielleicht Pinterest. Und Social Media ist oft auch irgendwo mit dabei, selbst wenn du da eigentlich nicht mehr so viel Energie reinstecken willst.

Trotzdem bleibt dieses Gefühl, dass Marketing irgendwie nie „steht“.

Es ist nicht so, dass du nichts machst. Im Gegenteil.
Aber es fühlt sich oft so an, als würdest du ständig nachjustieren müssen. Als würde sich das Ganze nicht beruhigen.

Und genau da liegt für mich ein wichtiger Punkt: Viele Marketingprobleme entstehen nicht, weil jemand zu wenig diszipliniert ist oder „noch nicht genug weiß“. Sondern weil sich bestimmte Annahmen eingeschlichen haben, wie Marketing angeblich funktionieren muss.

So ein bisschen wie unsichtbare Regeln.

Zum Beispiel: dass man ständig aktiv sein muss. Oder dass mehr automatisch besser ist. Oder dass sich alles schnell lohnen muss, sonst ist es Zeitverschwendung.

Das Problem: das erzeugt automatisch Druck. Und oft auch Aktionismus. Weil du natürlich versuchst, es „richtig“ zu machen, nach Maßstäben, die nie wirklich zu deinem Alltag gepasst haben.

Genau darum geht es in diesem Artikel.

Ich möchte ein paar typische Marketing-Irrtümer sortieren, die viele Solo-Selbstständige ausbremsen, ohne dass sie es direkt merken. Und ich möchte dir jeweils eine andere Perspektive danebenstellen. Nicht als „neue Wahrheit“. Eher als Einordnung, die dir hilft, dein Marketing wieder steuerbarer zu machen. Machbar. Und ein Stück ruhiger.

Irrtum #1: Marketing bedeutet, ständig Content produzieren zu müssen

Regelmäßigkeit spielt im Marketing eine Rolle. Keine Frage.
Newsletter funktionieren besser, wenn sie nicht nur alle paar Wochen gesendet werden. Blogartikel werden von den Suchmaschinen als relevant eingestuft, wenn regelmäßig neue Inhalte dazukommen. Auch Leserinnen gewöhnen sich daran, von dir zu hören.

Das ist alles richtig.

Der Denkfehler liegt woanders. Nämlich dort, wo Regelmäßigkeit automatisch mit hoher Frequenz gleichgesetzt wird. Mit der Idee, dass man ständig neuen Content liefern muss. Am besten täglich. Oder zumindest mehrmals pro Woche.

Dieses Denken kommt stark aus dem Social Media Bereich. Dort wird Aktivität belohnt. Vor allem aus Sicht der Plattformen. Für Selbstständige heißt das oft: viel Zeit investieren, ständig präsent sein, immer wieder liefern.

Und genau dieses Verständnis von Regelmäßigkeit wird dann auf alle Kanäle übertragen.

Die Folge: Marketing fühlt sich schnell wie ein Dauerlauf an. Es geht weniger darum, was sinnvoll wäre, sondern darum, dass überhaupt etwas rausgeht. Hauptsache regelmäßig. Hauptsache sichtbar.

Das kostet Zeit. Viel Zeit. Und häufig leidet darunter die Qualität.

Ein Newsletter muss nicht täglich erscheinen, damit Menschen wissen, wer du bist. Ein Blog braucht keine wöchentlichen Artikel, um langfristig Wirkung zu entfalten. Entscheidend ist nicht, wie oft du sendest. Entscheidend ist, dass du verlässlich bist. Und dass deine Inhalte Substanz haben.

Regelmäßigkeit heißt in diesem Zusammenhang vor allem: ein Rhythmus, der für dich machbar ist. Einer, den du halten kannst. Auch dann, wenn das Tagesgeschäft voll ist.

Sobald Content-Produktion zu einem täglichen Kraftakt wird, kippt etwas. Dann entsteht Druck. Dann wird produziert, um die Lücke zu füllen. Nicht, weil es gerade sinnvoll ist.

Und das kann im Zweifel sogar kontraproduktiv sein.

Es bringt wenig, ständig etwas zu veröffentlichen, wenn es morgen schon egal ist.
Wichtiger ist, dass deine Inhalte nicht sofort verpuffen.

Irrtum #2: Mehr Maßnahmen führen automatisch zu besseren Ergebnissen

Wenn Marketing nicht so läuft, wie man es sich wünscht, ist die naheliegende Reaktion oft: noch etwas dazunehmen. Einen weiteren Kanal. Ein neues Format. Oder eine zusätzliche Idee, die man irgendwo aufgeschnappt hat.

Das wirkt erst einmal logisch. Mehr Sichtbarkeit durch mehr Präsenz. Mehr Chancen, gefunden zu werden. Mehr Berührungspunkte.

In der Praxis passiert dann aber häufig etwas anderes.

Marketing wird breiter, aber nicht klarer. Es entstehen mehrere Baustellen gleichzeitig. Ein Blog, der nur unregelmäßig gepflegt wird. Ein Newsletter, der zwischendurch wieder liegen bleibt. Vielleicht noch ein weiterer Kanal, der „eigentlich auch sinnvoll wäre“.

Alles für sich genommen nicht falsch. In der Summe aber schwer zu halten.

Der Aufwand steigt. Die Abstimmung wird aufwendiger. Und das Gefühl, wirklich voranzukommen, bleibt trotzdem aus.

Mehr Maßnahmen führen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen. Vor allem dann nicht, wenn sie nebeneinander laufen, ohne sich gegenseitig zu stärken.

Oft fehlt an dieser Stelle kein zusätzlicher Kanal, sondern eine klare Entscheidung: Was ist im Moment wirklich relevant? Und was darf bewusst liegen bleiben?

Weniger zu machen fühlt sich für viele erst einmal riskant an. Als würde man Chancen verschenken. Viele merken erst mit etwas Abstand, dass weniger gleichzeitig zu machen ihnen eigentlich hilft.

Ein Kanal, der gut durchdacht ist. Ein Format, das konsequent genutzt wird. Inhalte, die aufeinander aufbauen, statt nebeneinander zu stehen. Das fühlt sich unspektakulär an. Funktioniert aber im Alltag besser.

Irrtum #3: Marketing muss schnell Ergebnisse zeigen, sonst ist es ineffizient

Viele erwarten vom Marketing, dass man relativ schnell merkt, ob es etwas bringt. Mehr Anfragen. Mehr Rückmeldungen. Irgendein sichtbares Signal. Wenn das ausbleibt, kommt ziemlich schnell die Frage: Lohnt sich das denn überhaupt?

Das ist nachvollziehbar. Zeit ist knapp. Marketing konkurriert ständig mit Kundenterminen, Orga, Alltag. Da möchte man wissen, ob der Aufwand gerechtfertigt ist.

Schwierig wird es vor allem dann, wenn man ständig das Gefühl hat, dass sich alles sofort lohnen muss. Wenn man nach ein paar Wochen schaut und denkt: Da passiert ja nichts.

Dann fängt man an zu zweifeln. Ob das gerade Sinn macht. Ob man die Zeit nicht besser anders nutzen sollte.

Und dann wird oft gewechselt. Man schreibt ein paar Blogartikel, hört wieder auf. Der Newsletter läuft eine Zeit lang, dann wird er unregelmäßig. Nicht, weil man keine Lust mehr hat. Sondern weil man unsicher wird, ob sich das alles rechnet.

Dabei ist genau das oft der Knackpunkt. Viele Dinge im Marketing brauchen einfach länger, als man es sich wünschen würde.

Es hilft, sich klarzumachen, was man gerade tut. Baue ich etwas auf? Oder erwarte ich gerade eine direkte Reaktion? Marketing wird deutlich übersichtlicher, wenn das klar ist.

Irrtum #4: Fehlende Strategie wird durch Aktionismus ersetzt

Viele würden von sich sagen, dass sie eine Marketingstrategie haben. Oder zumindest eine grobe Richtung. Und oft stimmt das auch. Es gibt ein Ziel. Es gibt Ideen. Man weiß ungefähr, was man erreichen will.

Das Problem liegt weniger im fehlenden Willen zur Strategie. Sondern darin, wie Entscheidungen im Alltag getroffen werden.

Sehr häufig passiert Marketing reaktiv. Eine Idee taucht auf, also wird sie umgesetzt. Ein Impuls von außen kommt dazu, also wird etwas Neues ausprobiert. Weil alles irgendwie sinnvoll klingt.

Heute ein Blogartikel, weil langfristige Sichtbarkeit wichtig ist.
Nächste Woche mehr Fokus auf den Newsletter, weil der gerade vernachlässigt wurde.
Dann Pinterest, weil man gehört hat, dass das gut funktionieren kann.

Jede einzelne Entscheidung ist für sich genommen nachvollziehbar. Das Problem entsteht in der Abfolge. Es fehlt der Zusammenhang. Und damit auch das Gefühl, wirklich gezielt vorzugehen.

Marketing fühlt sich dann oft beschäftigt an, aber nicht klar. Man kann sagen: viel Bewegung, aber wenig Richtung.

Was dabei häufig fehlt, ist ein detaillierter Plan. Sowas wie ein Rahmen, in dem man sich bewegen kann. Etwas, das hilft zu entscheiden, was gerade dran ist – und was eben nicht. Ohne jedes Mal neu abzuwägen.

Stattdessen wird viel aus dem Bauch heraus entschieden. Was gerade drängt. Was sich wichtig anfühlt. Was man zuletzt gehört oder gelesen hat.

Das ist total nachvollziehbar, aber auf Dauer anstrengend. Vor allem mental. Weil jede Maßnahme wieder eine neue Entscheidung braucht.

Eine Strategie muss an dieser Stelle nichts Großes sein. Kein ausformulierter Masterplan. Oft reicht schon Klarheit darüber, welche Kanäle Priorität haben. Und wofür sie da sind.

Marketing wird ruhiger, wenn Entscheidungen nicht ständig neu getroffen werden müssen. Wenn nicht alles möglich ist, sondern einiges bewusst außen vor bleibt.

Dann hat das Ganze mehr Zusammenhang und bekommt eine Linie.

Irrtum #5: Abgeben bedeutet Kontrollverlust

Viele Soloselbständige spielen früher oder später mit dem Gedanken, sich Unterstützung zu holen. Der Gedanke taucht meist dann auf, wenn Marketing immer mehr Zeit frisst und trotzdem das Gefühl bleibt, dass es nicht richtig rund läuft.

Und trotzdem zögert man damit abzugeben. Warum ist das so?

Oft ist unklar, wie das eigentlich gehen soll. Was genau man abgeben könnte. Und wie viel Kontrolle man dabei verliert.

Ein häufiger Gedanke ist: Wenn jemand anderes mein Marketing macht, fühlt es sich nicht mehr nach mir an. Oder: Ich muss am Ende alles erklären, kontrollieren und korrigieren – dann kann ich es auch gleich selbst machen.

Diese Sorge ist nachvollziehbar. Vor allem, wenn Marketing stark im eigenen Kopf stattfindet. Wenn viele Entscheidungen implizit getroffen werden. Aus Erfahrung, Bauchgefühl, Kontext.

Dann ist Abgeben schwierig. Denn was nicht klar benannt ist, lässt sich schlecht an jemand anderes übergeben. Ohne klare Abläufe entsteht schnell viel Abstimmungsbedarf. Und genau das ist für viele eine Hürde. Dieser zusätzliche Abstimmungsaufwand.

Das Problem ist also weniger das Abgeben an sich. Sondern die fehlende Struktur davor.

Sobald klar ist, was warum gemacht wird, wird auch das Abgeben greifbarer. Dann geht es nicht mehr darum, Kontrolle abzugeben. Sondern einzelne, wiederkehrende Aufgaben.

Fazit

Vielleicht liegt das eigentliche Problem gar nicht im Marketing selbst.
Sondern in dem, was man insgeheim davon erwartet.

Wenn man diese Erwartungen geraderückt, wird vieles verständlicher.
Und fühlt sich deutlich machbarer an.

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